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Bad Reichenhaller - Salzzeitung, Ausgabe 2

Salz Geschichte Der Fürst, der Bayern tauschen wollte Nach ihm ist der Karlsplatz/Stachus in München benannt. Doch eigentlich hat Kurfürst Karl Theodor sich bei den Bayern nicht gerade beliebt gemacht. Und in der Alten Saline sieht man das bis heute. Wein Bild. In der Grotte befindet sich an der Wander an einer Führung durch die Alte Saline teilnimmt,erlebt etwas sehr Mysteriöses: Die Besucher stupsen ein Relief aus weißem Marmor, das den bayerischen Kurfürsten Karl Theodor zeigt. Es hat merkwürdige dunkle Flecken, weil die Bergwerksbesucher dem Fürsten regelmäßig kleine Klapse geben, um ihm einen Denkzettel zu verpassen. Im 18. Jahrhundert hat der Landesherr, der aus Brüssel stammte, es sich nämlich mit den Bayern verscherzt. Und das tragen sie ihm bis heute nach. Aber warum? Um das herauszufinden, müssen wir in die Vergangen- heit reisen. Und zwar ins Jahr 1777. Der Mäzen aus Mannheim Karl Philipp Theodor, der sich bis dahin als Pfalzgraf und Kur- fürst in Mannheim um die kulturelle und ökonomische Ent- wicklung verdient gemacht hatte, erbte 1777 Bayern und wurde „Herr der sieben Länder“. Gegen seinen Willen musste er seine Residenz nach München verlegen. Er war aufgeklärt und vielsei- tig interessiert, ließ die größten barocken Schlossanlagen in ganz Europa bauen, gründete Hebammenschulen und die Akademie der Wissenschaften in Mannheim, förderte die Kunst und enga- gierte beispielsweise Wolfgang Amadeus Mozart als Musiklehrer Das Ränkespiel der europäischen Mächte an seinem Hof. Allerdings nur in seiner geliebten Heimat. Um Mit seinen Tauschplänen brachte Karl Theodor 1778 Friedrich II. die bayerischen Belange kümmerte er sich im neuen Doppelstaat von Preußen gegen sich auf: Er wollte mit dem Hause Habsburg Pfalz-Baiern anfangs kaum. Im Gegenteil: Er hegte den Plan, Niederbayern und die Oberpfalz gegen Vorderösterreich tau- Bayern ganz einfach loszuwerden. schen, verlor jedoch im Bayerischen Erbfolgekrieg das Inn- viertel an Österreich. Er gab allerdings nicht auf. 1784 verfolgte er den Plan, das Kurfürstentum Bayern gegen die österreichischen Niederlande – das Gebiet des heutigen Belgiens – zu tauschen. Ihm schwebte ein eigenes Königreich Burgund vor, das aus seinen alten und neuen rheinischen und niederländischen Terri- torien bestehen sollte. Der Konflikt, den Kaiserin Maria-Theresia verächtlich als „Zwetschgenrummel“ und Friedrich II. als „Kar- toffelkrieg“ bezeichnete, führte dazu, dass die beiden Erzfeinde miteinander kommunizieren und sich einigen mussten. Erneut intervenierte Preußen, um die Verschiebung des Machtverhält- nisses zu verhindern. Karl Theodor und der österreichische Kaiser Joseph II. mussten 1790 endgültig auf den Ländertausch verzich- ten. Und die bayerische Bevölkerung verzieh ihrem Kurfürsten dieses Vorhaben nie. 12 Natur, Menschen und Produkte unserer Region.


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